Bieretiketten - was muss ich beachten?

Wer sein Bier unter die Leute bringen will, der braucht ein Etikett. Und wer sein Bier auch verkaufen, und nicht nur verschenken will, braucht ein Etikett, das den deutschen Vorschriften und Richtlinien entspricht.

Geregelt ist das ganze in einer EU-Verordnung namens LMIV vom 22. November 2011. Unter anderem ist dort auch die Rede von einer "… EU-Strategie zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Verringerung alkoholbedingter Schäden …" - die haben wohl nix besseres zu tun :-)

Zur Vereinfachung möchte ich hier die wichtigsten und relevantesten Punkte kurz zusammenfassen und erläutern.

Pflichtangaben

Verpflichtend auf dem Etikett abgedruckt müssen folgende Angaben sein:

  • Die Bezeichnung des Lebensmittels
  • das Verzeichnis der Zutaten
  • die Zutaten und Hilfsstoffe gemäß Anhang II, die Allergien und Unverträglichkeiten auslösen
  • die Menge bestimmter Zutaten,
  • die Nettofüllmenge,
  • das Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum,
  • ggf. besondere Anweisungen für Aufbewahrung und/oder Verwendung,
  • der Name des Lebensmittelunternehmers
  • das Ursprungsland oder der Herkunftsort (falls nach Art. 26 vorgesehen),
  • eine Gebrauchsanleitung (falls erforderlich),
  • die Angabe des Alkoholgehalts für Getränke mit mehr als 1,2 % Volumen Alkohol sowie
  • eine Nährwertdeklaration (nicht für Getränke mit mehr als 1,2 % Volumen, soweit nicht freiwillig eine Nährwertangabe erfolgt).

Für alle Pflichtangaben gilt:

  • gut sichtbare Stelle
  • deutlich und gut lesbar
  • ggf. dauerhaft angebracht
  • unverdeckt
  • Mind. 1,2 mm x-Höhe

Bezeichnung des Lebensmittels, Nettofüllmenge und Alkoholgehalt müssen im gleichen Sichtfeld sein.

Bezeichnung

Eine gesetzlich vorgeschriebene Bezeichnung gibt es für Bier und Biermischgetränke nicht. Zu verwenden sind die verkehrsüblichen Bezeichnungen.Als Verkehrsbezeichnung kann die allgemeine Bezeichnung „Bier“ verwendet werden. In der Praxis üblich ist als Verkehrsbezeichnung auch die Angabe einer Sortenbezeichnung, z. B. Pils, Export, Dunkel, Hell, Lager, Märzen, Bock, Alt, Kölsch, Weizenbier (Weiße, Weizen), Weizenbock, Alkoholfreies Bier.

Beachten: § 3 Bierverordnung (BierVO)

  • Bier mit einem Stammwürzegehalt von weniger als 7 v. H. muss unter der Bezeichnung „Bier mit niedrigem Stammwürzegehalt“,
  • Bier mit einem Stammwürzegehalt von 7 oder mehr als 7, aber weniger als 11 v. H. muss unter der Bezeichnung „Schankbier“ gewerbsmäßig in den Verkehr gebracht werden (§ 3 Abs. 1 BierVO).
  • Bier darf nur unter der Bezeichnung „Starkbier“, „Bockbier“ oder einer sonstigen Bezeichnung, die den Anschein erweckt, als ob das Bier besonders stark eingebraut sei, gewerbsmäßig in den Verkehr gebracht werden, wenn der Stammwürzegehalt 16 v. H. oder mehr beträgt (§ 3 Abs. 2 BierVO).

Maßgeblich für die Bestimmung des Stammwürzegehaltes im lebensmittelrechtlichen Sinn ist der Zeitpunkt des Einbrauens.

Hersteller / Inverkehrbringer

Anzugeben sind Name, Firma und Anschrift. Die Anschrift besteht grundsätzlich aus einer Angabe der politischen Gemeinde, der Straße und der Hausnummer. Die Straße und auch die Hausnummer können in der Regel entfallen, wenn der Hersteller ohne weitere Nachforschungen festgestellt werden kann.

Wie schaut das mit von Lohnbrauereien hergestelltem Bier aus? Die Lohnbrauerei muss nicht auf dem Etikett erwähnt werden! Auch wenn man das Bier komplett fremdbrauen, abfüllen und ettiketieren lässt, ist man trotzdem selbst der Inverkehrbringer bzw Hersteller.

Zutatenverzeichnis

Den Zutaten muss eine geeignete Bezeichnung, z.B. "Zutaten", vorangestellt sein. Anschließend werden die Zutaten in absteigender Reihenfolge ihrer jeweiligen Mengenanteile aufgelistet. Zutaten sind auch diejenigen Stoffe, die bei der Herstellung verwendet wurden, im Enderzeugnis aber nur noch in veränderter Form enthalten sind. Keine Zutaten sind Rückstände.

Falls bei der Herstellung Aromen, Zusatzstoffe oder Enzyme verwendet werden, müssen diese ebenfalls angegeben werden. ACHTUNG: Nach dem Reinheitsgebot sind Zusatzstoffe nicht erlaubt!!! Das gilt also nur für Biermischgetränke, die im folgenden nicht weiter berücksichtigt werden.

Eine Mengenangabe der einzelnen Zutaten (z.B.: kg, Liter, %) ist nicht erforderlich.

Bestimmte Stoffe oder Erzeugnisse die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, müssen besonders hervorgehoben werden. Gängig ist die Kennzeichnung mittels Fettdruck und Unterstreichung der jeweiligen Zutaten. Es ist aber auch erlaubt eine Unterscheidung z.B. über die Hintergrundfarbe oder einen anderen Schriftstil zu erzielen. Im Hinblick auf Bier sind vor allem glutenhaltige Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel) von Belang.

Bei der Kennzeichnung einzelner Zutaten ist folgendes zu beachten:

Wasser

Da Wasser den größten Anteil des Bieres ausmacht, ist es an erster Stelle zu nennen. Anstelle von „Wasser“ kann auch „Brauwasser“ geschrieben werden.

Malz

Die Angabe von „Malz“ ausreichend, wenn es sich um Gerstenmalz handelt. Dann muss aber der Zusatz „enthält Gluten“ angebracht werden. Bei der Verwendung von anderen Getreidearten zur Malzherstellung ist die Getreideart anzugeben, z.B. Weizenmalz, Roggenmalz. Die gesonderte Angabe von Spezialmalzen, wie z.B. Röstmalz, Brühmalz und Spitzmalz, ist nicht erforderlich, aber möglich.

Hopfen

Für Naturhopfen, Hopfenpellets sowie Hopfenpulver ist die Bezeichnung „Hopfen“ ausreichend. Hopfenextrakt muss als „Hopfenaroma“, „Hopfenauszug“ oder „Hopfenextrakt“ gekennzeichnet werden.

Hefe

Eine Verpflichtung zur Angabe von „Hefe“ besteht nur dann, wenn die Hefe im fertigen Bier noch enthalten ist.

Gärungskohlensäure

Kohlensäure, die im Brauprozess entsteht, muss nicht gekennzeichnet werden.

Zucker

FINGER WEG VOM ZUCKER!!!!

Alkoholgehalt

Der bei 20°C gemossene Alkoholgehalt muss bei mehr als 1,2% Volumen angegeben werden. Anzugeben ist dieser mit nicht mehr als einer Dezimalstelle, gefolgt von dem Symbol "vol". Dieser Angabe darf das Wort "Alkohol", "Alk." oder "alc." vorangestellt werden. Soll das Bier exportiert werden, sollte "alc." verwendet werden, was auch für den deutschen Markt erlaubt ist.

Wichtig zu wissen ist, wieviel vom angegebenen Alkohol abgewichen werden darf!

  • Bis zu einer Angabe von 5,5% darf die Abweichung 0,5% betragen. Das Bier darf also bei Angabe von 5,5% tatsächlich zwischen 5 und 6 % haben.
  • Bei einer Angabe über 5,5% darf der tatsächliche Alkoholgehalt um bis zu 1% abweichen! D.h. das Bier darf bei einer Angabe von 5,6% tatsächlich 4,6 - 6,6 % haben.

Mindesthaltbarkeitsdatum / MHD

Das Haltbarkeitsdatum muss mit Tag, Monat und Jahr angegeben werden und muss mit dem Wortlaut "mindestens haltbar bis" betitelt sein. Auf die Angabe des Tages kann verzichtet werden, sofern der Titel "mindestens haltbar bis Ende" lautet. Es darf nicht mit "MHD" abgekürzt werden.

  • die Jahresangabe darf mit den beiden Endziffern dargestellt werden (also anstatt 2017 nur 17)
  • Die Abkürzung des Monats ist erlaubt (z.B. Feb. statt Februar)
  • Die Angabe kann auch mittels einer eingekerbten Kalenderleiste erfolgen

Bei einem Alkoholgehalt von mind. 10% kann auf die Angabe des MHD verzichtet werden.

Ist das Bier mindestens 18 Monate haltbar, reicht die Angabe des Jahres.

Loskennzeichnung

Die Los-Kennzeichnungs-Verordnung (LKV) schreibt die Kennzeichnung mittels einer eindeutigen Losnummer vor und dient zur Rückverfolgung von Verkaufseinheiten die unter gleichen Bedingungen hergestellt wurden.

Die Loskennzeichnung kann jedoch entfallen, wenn das MHD unter Angabe mindestens des Tages und des Monats in dieser Reihenfolge angegeben ist. Dies ist die gängige Praxis.

Füllmengenangabe

Die Nettofüllmenge muss in Litern, Zentilitern oder Millilitern angegeben werden und kann entsprechend abgekürzt (l, cl, ml) werden. Bei Flaschen mit einer Füllmenge von bis zu einem Liter, muss die Schriftgröße mindestens 4 mm betragen, darüber mindestens 6mm.

Aufbewahrung, Verwendung, Gebrauch

Bier benötigen hinsichtlich Aufbewahrung und Verwendung keine besonderen Angaben. Eine Bezeichnung wie „kühl lagern“ oder „vor Sonneneinstrahlung schützen“ ist eine unverbindliche Empfehlung und somit nicht zwingend notwendig.

Nährwertkennzeichnung

Die Nährwertkennzeichnung gilt nur für Getränke mit einem Alkoholgehalt von weniger als 1,2%.

Ich glaube das Thema können wir somit als erledigt betrachten ;-)